Der Goldkettenmann - Wie alles begann.
Kapitel 1 - Das Erbe des Goldkettenkönigs
Der Großvater des jungen Goldkettenmanns auf dem Sterbebett zu seinem Enkel: "Mein Junge, ich fürchte, ich habe die Gesellschaft, besonders die Jugendlichen, nicht weit genug in den psychischen Abgrund getrieben! Übernimm du mein Erbe und die Verantwortung, der Menschen Seelen für immer zu verderben! Ich habe es nicht geschafft, das Gute war einfach zu stark für mich. Ich versuchte mit aller Gewalt die Kinder zu manipulieren, die Jugendlichen zur Gewalt anzustiften, ihnen sexistische und frauenverachtende Werte einzutrichtern, ihnen Glauben zu machen, dass sie immer mehr Geld brauchen und sonst niemals glücklich werden können, dass nur extremer Drogenkonsum die Lösung ist und dass man niemals Liebe zeigen oder gar empfinden darf. Mein Enkel, wie heißt du nochmal? Ist ja auch vollkommen egal, der Punkt ist, es liegt nun an dir, das Vermächtnis des Bösen in die Welt zu tragen und mein Werk zu vollenden. Ich schenke dir hiermit feierlich und offiziell meine erste Goldkette, du hast sie dir verdient, oder wirst es zumindest hoffentlich noch! Entehre sie nicht!", sagte der Großvater des Goldkettenmanns zu seinem Enkel, machte jedoch keinerlei Anstalten ihm eine Goldkette zu überreichen. "Danke", sagte der kleine Goldkettenmann zögernd, "und wo ist diese Goldkette?" "Beim Finanzamt.", antwortete der alte Mann. "Sie wurde gepfändet. Aber wenn du denen ein bisschen Geld gibst, werden sie dir die geben. Ich verlange diesen Akt als Zeichen des Respekts mir gegenüber! Besorg diese Kette, damit ich sie dir in der Zeremonie überreichen kann, wie es die Ahnen des Bösen zur Tradition gemacht haben. Es ist eine Schande, dass du es immer noch nicht zu irgendwas gebracht hast! Wenn du auch nur einen Funken Respekt vor deiner Familie hast, dann treibe das Geld auf und besorg diese Kette, damit ich sie wenigstens noch ein letztes Mal küssen, äh, ich meine dir hochoffiziell überreichen kann. Wie es die" "Wie es die Ahnen vorgeschrieben haben", sagte der Junge und nahm samit seinem Großvater die Worte aus dem Mund.
Der Großvater zog ein Stift und Papier vom Regal neben ihm an sich heran. "Hier, ich schreibe dir die Adresse des Finanzamts auf, wie viel Geld die genau wollen weiß ich nicht mehr, musst du einfach fragen." Er rieb sich an der Nase und sprach weiter: "Und falls du Hilfe brauchst das Geld aufzutreiben, geh zu dieser Adresse hier." Er schrieb eine zweite Adresse auf und gab dem Jungen das Papier. "Dort wird man dir helfen. Sag ihnen, der Goldkettenkönig schickt dich und dass du Arbeit suchst und extrem harte Arbeit so wie körperliche Züchtigung deiner Selbst in jedem Fall befürwortest! Beschmutze meinen guten Namen nicht! Im Übrigen schuldet mir jemand dort noch einen Haufen Geld. Du wirst dich dort schnell zurecht finden, denke ich. Aus dir wird noch ein richtiger Mann, da bin ich mir sicher." Der junge Goldkettenmann faltete das Papier und steckte es in seine Hosentasche. "Also haben wir einen Deal?", fragte der Großvater und streckte seinem Enkel die Hand entgegen. "Tust du deinem armen alten Großvater diesen einen Gefallen? Stell dir vor wie beliebt du in der Schule sein wirst mit dieser Kette? Davon abgesehen, es ist ein Familienerbstück. Dazu noch meine erste selbstverdiente Goldkette, denn im Gegensatz zu dir, bekam ich sie nicht einfach so geschenkt ala Belohnung den ganzen Tag auf dem faulen Hintern zu sitzen!" Der Alte sah plötzlich sehr zornig aus und sprach nun nicht mehr so aufgesetzt sanft, wie zuvor. Er bemerkte es und ließ die Hand seines Enkels wieder los, die er während er sprach immer fester gedrückt und am Ende beinahe zerquetscht hatte. Er sammelte sich wieder, dann sagte er: "Diese Mistkerle vom Finanzamt hatten garkein Recht mir diese Kette wegzunehmen! Ich habe sie hart erarbeitet! Das ist Diebstahl Und übrigens!", der alte Mann sprach nun betont leise. "Sprich auf keinen Fall mit deiner Mutter über unser Gespräch, okay? Sie würde es nicht verstehen." "Was würde ich nicht verstehen?", sagte eine Frau, die plötzlich zur Tür hereingekommen war. "Ach nichts.", sagte der alte Mann schnell, bevor sein Enkel etwas sagen konnte, denn dieser hatte zu diesem Zweck bereits den Mund aufgemacht. "Wir haben nur ein Gespräch unter Männern geführt, nicht wahr mein Liebster aller Enkel? Wie geht es eigentlich deinen Geschwistern? "Ich habe keine Geschwister und ich bin dein einziger Enkel!", sagte der kleine Goldkettenmann und sah traurig auf den Boden. "Und mein Name ist-", "Wie auch immer," unterbrach ihn der alte Goldkettenopa. "Ich brauche jetzt erstmal etwas zu Essen. Dieser Krankenhausfraß ist die reine Folter, Schwiegertochter, wärst du so lieb und kaufst unten etwas Gutes aus dem 5 Sterne Restaurant gegenüber? Ich gebe dir meine Kreditkarte mit." "Die ist gesperrt, du willst nur dass ich dir aus Mitleid etwas kaufe. Schon wieder.", sagte die Mutter des 10 Jährigen Goldkettenmanns. "Ach stimmt ja, die ist gesperrt.", sagte der alte Mann und machte eine seltsame Grimasse. "Habe ich total vergessen. Dabei habe ich solchen Hunger." "Die Krankenschwester bringt dir gleich etwas zu essen.", sagte Katja, die Mutter des Goldkettenmanns. "Verpisst euch, raus hier!", schrie der alte Mann plötzlich wie vom Wahnsinn ergriffen. "Euch braucht Keiner! Ich wünsche euch den Tot! Ich will euch hier nie wieder sehen! Und Junge!" Der kleine Goldkettenmann, der gerade von seiner Mutter aus dem Zimmer geschoben wurde, drehte seinen Kopf zu Ihm um. "Denk an meine Worte! Vergiss das niemals! Du bist der Auserwählte! Du trägst das Erbe in dir! Und kein Wort zu deiner Mutter!" "Worüber sollst du nicht mit mir sprechen?", fragte seine Mutter schließlich als sie die Tür zum Zimmer ihres Schwiegervaters endlich geschlossen hatte, machdem dieser ihr bis zuletzt Todesflüche an den Kopf geworfen hatte. "Ach nichts.", sagte der junge Goldkettenmann. "Ich soll nur seine Kette aus dem Gefängnis abholen oder so. Ne, Finanzamt.", korrigierte er sich selber. "Du sollst was?", fragte seine Mutter entsetzt.
Doch bevor der junge Goldkettenmann etwas sagen konnte, war seine Mutter zurück durch die Tür in das Krankenzimmer des Alten gerauscht. "WIE KANNST DU ES WAGEN MEINEN SOHN IN DEINE SCHEIß MAFIA PROBLEME HINEINZUZIEHEN! ER IST NOCH EIN KIND! LASS IHN GEFÄLLIGST IN RUHE VON JETZT AN, OKAY? ICH WILL, DASS DU NIE WIEDER EIN WORT MIT IHM REDEST, VERSTEHST DU?" Der kleine Goldkettenjunge wollte sich gerade hinsetzen, er kannte seine Mutter und wusste, dass das hier noch eine ganze Weile dauern könnte, als plötzlich seine Mutter aus dem Zimmer gestürmt kam, ihn an der Hand packte und ihn grob zum Parkhaus des Krankenhauses hinter sich herschleifte. Im Auto begann sie mit ihrer Predigt, die der Goldkettenjunge jedoch nicht hörte, da er mit seinen Kopfhörern Satansmusik hörte, die sein Opa ihm empfohlen hatte. "Ich verbiete dir, diese Kette oder was auch immer zu holen!", sagte sie. "Und je wieder mit Großvater zu sprechen oder ihn auch nur zu besuchen! Er hat einen ganz üblen Einfluss auf Andere und ich will nicht, dass du irgendwo hineingezogen wirst. Dein Großvater hängt mit ganz fiesen Typen ab, ich will einfach nicht, dass dir etwas passiert, hörst du?" "Yo!", rappte der Goldkettenjunge das Lied mit, noch immer ohne zu merken dass seine Mutter mit ihm sprach. "Dann sind wir uns ja einig!", "Yeah!", sagte ihr Sohn und nahm seine Kopfhörer ab. "Wann sind wir zuhause? Ich will PlayStation spielen!"
Kapitel 2 - Das Finanzamt
Am nächsten Morgen, war Goldi (Der Goldkettenjunge) schon früh hellwach. "Du siehst ja ausnahmsweise mal nicht aus wie ein Zombie auf zehn Schlaftabletten.", sagte Katja, als Goldi sich sein Müsli hineinschaufelte. "Ja, wir nehmen heute Parabelgleichungen durch und ich muss deswegen auch pünktlich sein, tschüss Mama! Bis heute Abend!" Goldi griff seinen Rucksack, rannte zur Haustür und war verschwunden. Katja war nicht blöd. Sie wusste, da war etwas im Gange. Zögernd und unsicher ob sie das richtige Tat, griff sie ihr Telefon und wählte die Kurzwahltaste 2, Goldis Schule. Die Kurzwahltaste 1 war Goldis Handynummer, zumindest für das Handy, Welches sie ihm seit zwei Jahren jedes Mal aufs neue versprochen hatte zu Weihnachten oder zum Geburtstag zu schenken, hatte aber dann doch immer wieder einen Rückzieher gemacht, weil Kinder ihrer Meinung nach nicht zu früh ein Smartphone bekommen sollten. Schließlich hatte sie ihm ein ganz billiges Gerät gekauft, ohne Telefonkarte und alle Funktionen gesperrt, mit Ausnahme einem einzigen Spiel, bei dem man Gummi-Enten aus einer Badewanne angeln musste. Das etwas teurere Handy, mit Telefonkarte, würde sie ihm schenken, wenn er so weit war. Dass Goldi bereits sechs Smartphones und neun Tablets besaß, hatte er bis heute sogar vor Katja erforderlich geheim gehalten.
Goldi schob sein Fahrrad um die nächste Straßenecke, holte dort sein Handy heraus und rief seinen besten Freund Thomas an. Sie kannten sich aus der Schule, sie gingen zusammen in die gleiche Klasse. Doch heute nicht! Heute würden sie nicht sechs quälend lange Stunden die Schulbank drücken! Goldi hatte beschlossen, dem Geheimnis seines Großvaters auf die Spur zu kommen und seine Kette für ihn zurückzuholen! Heute! Oder zumindest fragen, wie viel Geld er aufbringen musste, um sie zu bekommen. Er kannte sich mit Pfändungen nicht aus.
Thomas nahm den Anruf an und sagte: "Die Vögel sind jetzt alle auf dem Dach." Er klang sehr verschlafen. "Welche Vögel? Wovon redest du? Hast du Drogen genommen?", fragte Goldi. "Nein Mama, nur nur noch fünf Minuten.", sagte Thomas. Plötzlich war zu hören, wie Thomas laut stöhnte und tief nach Luft schnappte. "Soll ich einen Krankenwagen rufen?", fragte Goldi. "Du bist wirklich dran, oder?", fragte Thomas und klang plötzlich nicht mehr verschlafen. "Und ich habe verschlafen.", sagte Thomas. Goldi wollte gerade etwas sagen, als Thomas anfing zu reden: "Alter, ich habe von gruseligen Vögeln geträumt, die irgendwie ein doppeltes Spiel mit uns gespielt haben. Nicht unbedingt ein falsches Spiel, aber ein Doppeltes. Verstehst du, was ich meine? Scheiß drauf ich zieh mich jetzt an und komme zu dir! Geduscht habe ich ja schon letzte Woche. Sorry und bis gleich." Mit den letzten Worten legte Thomas auf.
Der Goldkettenjunge machte ein böses Gesicht. Hielt heutzutage niemand mehr etwas von Pünktlichkeit? Er würde Thomas eines Tages eine Lexion diesbezüglich erteilen müssen. So behandelte man keinen Menschen oberer Klasse. Und schon garnicht ihn, den Goldkettenmann. Wer den Hund einmal im Bett schlafen lässt, dachte der Goldkettenmann. Soetwas konnte man mit ihm einfach nicht- "Hey Goldi, alles klar? Sorry für die Verspätung!" Thomas war auf seinem Skateboard zum Treffpunkt erschienen. "Wo gibt es denn jetzt genau kostenloses Eis?", fragte er. "Nun ja.", stotterte der Goldkettenjunge. "Diesbezüglich könnte ich womöglich ein wenig geflunkert haben." Er machte ein unschuldiges Gesicht.
Das Sekretariat der Schulleiung nahm das Telefonat entgegen. "Was kann ich für Sie tun?", ertönte eine missgelaunte Dame am anderen Ende der Leitung. "Ja guten Tag, Goldkette hier, mein Name. Ich meine Katja, Sie wissen schon.", Katja lachte gekünstelt. "Die Mutter, die letztes Jahr beim Sommerfest in die Torte gefallen ist.", sie hatte gehofft das nicht erwähnen zu müssen. Stille. "Weshalb die Schule anschließend aus der Folge einer unglücklichen Kettenreaktion komplett niedergebrannt ist? Keine Erinnerung?" Wieder Stille. "Hallo?", sagte Katja. Dann endlich sagte die Frau vom Schulsekreteriat: "Da war ich wohl nicht dabei.", sagte die schlecht gelaunte Frau emotionslos. "Da habe ich wahrscheinlich gerade im Keller Akten sortiert für unseren wehrten Herrn Schulleiter. Wissen Sie, Frau Goldkette, ich sage Ihnen jetzt Mal was! Nur weil Sie Ihr Leben und Ihren Sohn nicht im Griff haben, muss das bitte nicht gleich bedeuten, dass die ganze Welt unter Ihrem, wie soll ich es nennen? Erbgut zu leiden haben! Also was wollen Sie? Was ist der Grund Ihres Anrufes? Soll ich wieder Noten Ihres Sohnes im System frisieren, damit er durch das Jahr kommt? Das kostet Sie dieses Mal aber deutlich mehr als ein Portrait meiner Selbst, gemalt von Picaso persönlich. Richtem Sie ihm schöne Grüße aus, wenn Sie ihn wieder sehen. Schade, dass ich ihn nicht kennen lernen darf." Die Frau hatte offenbar keine Ahnung wer Picaso war und wann er gelebt hat, aber Katja hatte vor einem Jahr den Jahreswechsel ihres Sohnes gerettet, indem sie der Schulsekretärin erzählte, sie kenne den Maler Picaso persönlich und könne veranlassen, dass dieser sie malt. Auf die Idee kam Katja, als ihr Sohn eines Tages nebenbei erwähnte, dass die Frau keine Ahnung von KI habe bzw nicht einmal wisse, dass es das gibt. Also hatte Katja ein Foto von der Schulsekretärin mit einem simplen Computer Programm in ein Gemälde verwandelt es ausgedruckt und es der Schulsekretärin in einem goldenen Rahmen geschickt. Für diesen besonderen Gefallen hatte die Schulsekretärin die Noten von Goldi verändert und verhindert, dass er ein Jahr wiederholen musste. Hoffentlich würde die Frau nie herausfinden, dass Picaso seit langem tot war. "Es geht um Goldi.", sagte Katja. "Ich wollte Sie einfach bitten, mich anzurufen und mir Bescheid zu sagen, ob er heute zur Schule kommt oder nicht."
Kapitel 3 - The New Guy
Der Goldkettenmann war in der Schule überhaupt nicht beliebt gewesen. Zumindest bis er eines Tages die Schule wechselte. Für den Goldkettenmann war das ein Ruf des Schicksals, denn er hatte jahrelang das Verhalten seiner Mitschüler studiert und sich Notizen gemacht. Aus seinen Mitschriften ergaben sich Muster, die dem kleinen Goldkettenmann ganz genau sagten, wie man sich zu verhalten hatte, wenn man von den Anderen als cool angesehen werden wollte. Leider war der kleine Goldkettenmann so in seiner Rolle als Außenseiter und gruseliger Freak gefangen, dass ihm nicht einmal all seine goldenen Formeln und Theorien weiterhelfen konnten. Doch dann änderte sich alles. Es war ein ganz normaler Samstag, der kleine Goldkettenmann lag auf seinem Bett und spielte auf der PlayStation ein Wirtschafssimulator Game.
Seine Mutter klopfte. "Wer stört?", rief der kleine Goldkettenmann. Seine Mutter und einzige Mitbewohnerin kam herein. Der kleine Goldkettenmann spielte weiter ohne aufzuschauen. "Schatz, ich muss dir etwas Wichtiges sagen. Ich habe einen Job gefunden, und ich kann schon sofort dort anfangen. Das Problem ist, und das wird dir jetzt vielleicht Angst machen, der Job ist in einer anderen Stadt. Ich weiß, du hast hier Freunde und-" "Ich bin bereit!", sagte der Goldkettenjunge schnell wie ein Blitz und stand von einer Sekunde zur nächsten mit gepacktem Koffer im Türrahmen und sagte: "Kommst du, Mama? Oder willst du hier Wurzeln schlagen?"
Kapitel 4 - Der Zirkus
Am Ende seiner zwanziger Jahre versuchte es der Goldkettenmann schließlich bei dem Zirkus, den der Vermittler ihm empfohlen hatte. Der Goldkettenmann klopfte während einer Show an das Seitenzelt des Zirkus und ein breit gebauter Mann öffnete. "Was willst du?", fragte er mit osteuropäischen Akzent. "Ich wollte fragen, ob ihr noch einen Clown braucht. Ich könnte sofort anfangen." Der Mann grinste, drehte sich um und rief: "Vladimir, wir haben Glück! Wir können den Gefangenen frei lassen! Hier will jemand freiwillig Clown werden!" "Ich will ihn sehen!" dröhnte eine laute Stimme aus einer Ecke des Zeltes die der Goldkettenmann nicht sehen konnte. Dann erschien ein Mann vor ihm mit einer Zigarre im Mund. Er kam dem Goldkettenmann sehr nah und sagte ebenfalls in dem selben Dialekt wie der andere Mann: "Du bist Clown, ja? Bist du witzig? Kannst du Witz erzählen? Los, erzähl einen Witz, wenn ich nicht lache, bist du tot!" Vladimir griff in seine Jackentasche und zog eine Pistole hervor und hielt sie dem Goldkettenmann an die Stirn.
"Der Vermittler schickt mich!" Sagte der Goldkettenmann, dem gerade sehr warm wurde. "Und ich bin der Enkel vom Goldkettenkönig!" "Und wenn du Tante von Onkel bist, ich kenne deinen Papa König nicht und was den Vermittler angeht, der schickt jeden Penner hierher! Und jetzt erzähl mir einen Witz oder ich lasse die Hunde auf dich los! Das hier ist ein Geschäft und kein Spiel! Und ich sag es jetzt zum letzten Mal, erzähl mir einen Witz!" Er ließ die Knarre klicken. Der Goldkettenmann dachte scharf nach. Er kannte überhaupt keine Witze. Er kannte nur Flüche und Beleidigungen. Die würden ihm hier sicherlich nicht raushelfen. "Bin ich bei euch Krankenversichert?" fragte der Goldkettenmann aus Reflex, ohne es zu wollen. Das war sein Todesurteil. Wieso hatte er nicht einfach einen Blondinen Witz erzählt? "Halt warte!", schrie der Goldkettenmann, kniff die Augen zusammen und hielt schützend seine Hände vor sein Gesicht. Nichts passierte. Der Goldkettenmann öffnete seine Augen und sah Vladimir und seine Kollegen, die sich auf dem Boden herumwelsten und vor Lachen nicht mehr aufstehen konnten.
Genau in dem Moment trugen zwei Männer eine Liege mit einem Mann der darauf lag, an ihnen vorbei hinaus aus dem Zelt. Während sie vorbeigingen stöhnte der Mann qualvoll und sagte: "Ich sage doch wir brauchen neue Seile! Aber für neue Leuchtreklame habt ihr Geld! Ich kündige! Dann schlief er ein."
"Du bist dabei!", sagte Vladimir, stand auf, wischte sich Lachtränen aus den Augen und streckte dem Goldkettenmann seine Hand entgegen, die der Goldkettenmann ohne zu zögern griff. Er hatte bei diesem Mann ein gutes Gefühl. Irgendwie mochte der Goldkettenmann seine Art. Vielleicht würde sich hier ja noch eine wunderbare Freundschaft entwickeln. Plötzlich sah der Goldkettenmann Sterne. Vladimir hatte ihm eine saftige Ohrfeige gegeben. "WAS STEHST DU HIER NOCH RUM? AB IN DIE UMKLEIDE UND SCHMINKEN! NA WIRDS BALD?" "Was ist mit meiner Bezahlung?", fragte der Goldkettenmann. "Während der Arbeitszeit werden solche Gespräche nicht geführt!", sagte Vladimir. "Komm heute nach deiner Schicht in mein Büro, wenn du buchhaltungstechnische Fragen hast. Meine Hunde werden dir gerne alle Fragen beantworten! Du bist ja immer noch hier! Ich habe noch zu tun! Ich muss noch dieses Mistvieh von Elefant bestrafen, weil er heute morgen den Apfel gegessen hat, bevor ich bis 10 gezählt habe! Wenn ich den um die Ecke bringen muss, machen wir millionen Verluste! Was ist ein Zirkus ohne Elefant? Der muss lernen wer hier der Boss ist!"
Ein paar Tage später: "Vladimir will dich sehen.", sagte Ivan. "Wieso?", fragte der Goldkettenmann. "Wieso nicht?", fragte Ivan und verengte die Augen. "Brauchen Freunde Grund für treffen? Er hat Sehnsucht nach dir." Der Goldkettenmann hatte ein äußerst ungutes Gefühl. Vladimir wusste es. Es gab keinen Zweifel. Er musste herausgefunden haben, dass er, der Goldkettenmann, Dumbo den Elefanten befreit hatte. Jetzt war nicht nur das Spiel aus, sondern alles, sein Leben. Er würde sterben. Das war das Ende. Vladimir hatte am Morgen in seiner Ansprache zum Team gesagt, dass er den oder die Verantwortlichen finden und dahin befördern wird, wo man kein Klopapier mehr braucht. "Ja sehr gerne!", sagte der Goldkettenmann und hoffte es klang überzeugend. "Wie wäre es mit einem Termin am Dienstag?" "Wie wäre es mit jetzt?", fragte Ivan und kam dem Goldkettenmann einen Schritt näher.
Kapitel 5 - Yasmin
Da der Goldkettenmann in den letzten Wochen so viel Ambitionen gezeigt hatte Vladimir nicht nur als Clown zu dienen, sondern ihm auch in der Geschäftsführung zu assisitieren, hatte Vladimir entschieden Ivans Antrag auf einen zweiwöchigen Urlaub in der Türkei zu genehmigen. Ivan lernte in der Türkei eine wundervolle Frau kennen und heiratete sie. "Komm mit mir nach Stadtland!", sagte Ivan und fiel vor ihr auf die Knie. "Es geht nicht.", sagte Yasmin. "Ich finde es nicht gut mit welchen Leuten du arbeitest." "Ich sagte doch, ich habe mich geändert!", sagte Ivan. "Ich werde Vladimir meine Meinung sagen und Bedingungen stellen, ansonsten kündige ich!" "Und die sollen dich Krankenversichern!", sagte Yasmin und stemmte die Hände in die Hüften. "Die zocken dich doch nur ab!" "Ja, das Thema mit der Krankenversicherung bringe ich als erstes auf den Tisch!", sagte Ivan. "Ich lasse mich nicht länger von Vladimir verarschen!" "Gut, ich komme mit, Schatz!", sagte Yasmin und küsste Ivan auf die Wange. "Dein Flug geht schon morgen, aber da mein Vater der König ist, kann er einfach einen Passagier von der Liste streichen und meinen Namen einfügen. Am besten direkt neben dir." Sie kuschelte sich an ihn. "Du machst mlr Angst.", sagte Ivan. "Und du beschwerst dich dass ich mit Leuten wie Vladimir abhänge."
Am nächsten Tag fuhr eine Limousine Ivan und Yasmin zum Flughafen. Sie stellten sich an die Schlange zum Schalter und als sie an der Reihe waren, sagte Ivan. "Ivan und Yasmin, zwei Reservierungen." Die Frau tippte in ihren Computer und sagte: "Ich habe hier nur eine Reservierung für Yasmin. Ursprünglich wurde der Platz für Ivan gebucht, aber das wurde gestern Abend umgebucht." Yasmin wandte sich zu Ivan und sagte leise: "Mein Vater hat ausversehen dich gelöscht und meinen Namen eingefügt. Eine Sekunde!", sagte Yasmin zu der Flughafenangestellten. Sie entfernte sich ein paar Meter, damit sie außer Hörweite war, holte ihr Handy raus und rief jemanden an. "PAPA DU HAST IVAN GELÖSCHT!", schrie Yasmin so laut, dass es durch die gesamte Halle schallte. Kurz darauf kam sie zurück, richtete ihre Frisur und sagte zu der Dame: "Schauen Sie nochmal nach bitte. Ivan und Yasmin." "Ich weiß nicht was hier läuft, und ich glaube ich will es auch garnicht wissen, aber hier sind Ihre Tickets nach China. Sie sitzen direkt nebeneinander." "China?", fragte Yasmin irritiert. Dann schloss sie die Augen und atmete tief durch. "Eine Sekunde bitte.", sagte Yasmin zu der Dame am Schalter und ging wieder ein paar Meter weg um zu telefonieren. Dann kam sie wieder zurück und sagte: "Können Sie nochmal richtig nachschauen, bitte? Der Flug müsste nach Stadtland gehen." "Ihre Tickets.", sagte die Frau mit einer Stimme wie ein Roboter und druckte endlich die richtigen Tickets aus. Yasmin und Ivan gingen los um das Gate zu suchen, als plötzlich der Mann der hinter ihnen am Schalter gewartet hatte schrie: "WAS SOLL DAS HEIßEN, MEIN TICKET NACH STADTLAND WURDE KURZFRISTIG GECANCELT? ICH MUSS MEINE KLEINE TOCHTER ZU IHREM GEBURTSTAG BESUCHEN! SIE WIRD MICH FÜR IMMER HASSEN WENN ICH DIESEN FLUG NICHT NEHME!"
"Yasmin!", sagte Ivan. "Du musst diesem Mann schnell einen Sitz buchen!" Yasmin rief ihren Vater an und beeilte sich beim Warten darauf, dass er ranging. "Papa du musst diesen einen Typen wieder einbuchen auf irgendeinen Platz, bitte!" Sie legte auf. Der Vater am Schalter wollte gerade traurig weggehen, als die Angestellte plötzlich rief: "Warten Sie, ich habe da etwas übersehen! Hier sind Ihre Tickets! Richten Sie Ihrer Tochter herzliche Glückwünsche aus." Yasmin und Ivan schauten sich zufrieden an.
"WAS SOLL DAS HEIßEN, MEIN TICKET WURDE GERADE GECANCELT?", schrie die nächste Frau am Schalter. "ICH MUSS MEINE KRANKE MUTTER BESUCHEN!" Eine halbe Stunde ging das so weiter, bis Yasmin schließlich sagte: "Lass uns einfach für morgen zwei reguläre Tickets buchen, auf dem ganz normalen und legalen Weg. Mein Vater bezahlt." "Aber ich muss morgen Arbeiten!", sagte Ivan und vergrub die Hände im Gesicht. Und wie wenn man vom Teufel spricht klingelte Ivans Mobiltelefon. Es war Vladimir: "Hi Ivan, wollte nur fragen ob du deinen Urlaub genossen hast und morgen früh wieder pünktlich auf der Arbeit erscheinen wirst?" "Er lässt sich nicht länger verarschen! Er ist jetzt ein Anderer Mensch!", rief Yasmin in den Telefonhörer. Ivan hielt das Telefon so weit von ihr weg wie er konnte und schaute sie an, als wäre sie ein böser Dämon. "Hast du eine Freundin gefunden, Ivan? Ich hoffe das beeinträchtigt nicht deine Arbeitsmoral, die ich an dir immer so geschätzt habe, Ivan."
"Ich habe eine Idee!", sagte Yasmin, diesmal erst nachdem Ivan aufgelegt hatte. "Mein Vater gibt uns eines seiner Privatflugzeuge. Dann wären wir noch heute Abend in Stadtland und du kannst morgen zur Arbeit gehen."
Plötzlich standen sehr viele Polizisten mit Hunden um sie herum. "Guten Tag, wir würden Sie beide jetzt einmal durchsuchen und Sie anschließend bitten mit auf die Pokizeiwache zu kommen. Sie werden verdächtigt illlegale Flugumbuchen der Passagiere vorzunehmen. Werde ich in Ihrer Tasche Sprengstoff finden, wenn ich sie öffne? Sie sind immerhin Muslim. Da weiß man nie." "Wie bitte?", sagte Yasmin. "Du bist auch Muslim! Wir sind hier in der Türkei, hier sind alle muslims!" "Schon gut, schon gut.", sagte der Polizist. "Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein.", sagte er und winkte lächelnd einem weißen Amerikaner zu, der gerade offensichtlich eine Bombe verdrahtete.
Eine halbe Stunde später marschierten Yasmin und Ivan aus dem Polizeirevier, Yasmin selbstzufrieden lächelnd. Im Hintergrund hörten sie die Polizisten streiten: "Woher hätte ich denn wissen sollen, dass sie die Tochter des Königs ist?" "Du hast sie frech genannt!" "Ich hatte doch keine Ahnung" "Wir werden alle unseren Job verlieren!" "Oder unseren Kopf!", sagte ein Anderer
Kapitel 6 - Jesus
Auch Jesus sah das Plakat „Wir suchen einen Clown“. Er dachte das müsse lustig sein und ging zum Zirkus in der Stadt. Er klopfte an das Zelt und der Goldkettenmann, der inzwischen neben seinen Tätigkeiten als Clown zum Handlanger und persönlichen Assistenten von Vladimir aufgestiegen war, öffnete und sagte forsch: "Was willst du? Wer bist du?" "Ich möchte bei euch als Clown anfangen. Ist die Stelle noch frei?" "Auf jeden Fall - äh ich meine, du musst dich erst beweisen!", sagte der Goldkettenmann, der seine Freude kaum unterdrücken konnte. Endlich würde er erlöst werden. Dann würde er mehr Zelt haben Vladimir hinterher zu heucheln und ihm Kaffe zu machen mit nicht zu viel Milch aber auch nicht zu wenig. Nur er wusste was Vladimir wirklich wollte. Macht, Reichtum, Kontrolle! In Wahrheit versuchte Vladimir nur seine Familie zu ernähren, aber der Goldkettenmann sieht eben nur, was er sieht.
Der Goldkettenmann holte widerwillig eine Pistole aus seiner Jackentasche. Wenn es nach ihm ginge, könnte dieser Typ ohne Frage sofort anfangen, aber Vladimirs Regeln waren nunmal Vladimirs Regeln. "Erzähl mir einen Witz!", sagte der Goldkettenmann und richtete die Pistole auf Jesus. "Wenn ich nicht lache, bist du tot!" "Mein Sohn, erzürne nicht.", sagte Jesus sanft. "Gott wird dir helfen zu dir selbst zu finden. Komm doch nächsten Sonntag zu uns in den Gottesdienst. Die Gemeinde findet anschließend zusammen für gemeinsames Nähen und Stricken. Wir spielen Brettspiele und erzählen uns spannende und atemberaubende Geschichten aus dem Leben. Jeder ist herzlich Willkommen." Jesus drückte dem Goldkettenmann einen Flyer von der Kirche in die Hand. "Achso, der Witz.", sagte Jesus und dachte nach. Der Goldkettenmann las neugierig den Flyer durch und hatte Jesus schon ganz vergessen. "Ich hab' Einen!", rief Jesus begeistert und schnippste mlt den Fingern. Jesus holte tief Luft "[Hier lustigsten Witz einfügen, den du jemals gehört hast]". "Erfüllt gerade so die Mindestanforderung.", brummte der Goldkettenmann. "Geh zu Vladimir, er soll entscheiden."
Doch Jesus hatte nur einen Fuß in das Zelt gesetzt, da kam Vladimir höchst persönlich herbei. In der Hand hielt er ein Klemmbrett und einen Taschenrechner. "Clown, von jetzt an wirst du dich zwischen der Mittagshow und der Abendshow nicht mehr abschminken! Das spart Zeit und Makeup." Plötzlich kam ein kleiner Junge in das Zelt von Vladimir und sagte: "Ich will den Chef sprechen!". Der Goldkettenmann wollte gerade seine Pistole herausholen doch Vladimir schlug ihm ins Gesicht und sagte: "Bist du verrückt? Das ist ein Kind!" "Was willst du?", fragte Vladmir, lächelte und beugte sich zu dem Jungen herunter. "Euer Clown ist überhaupt nicht lustig! Das sagen alle! Ich habe von den anderen Kindern Unterschriften gesammelt und es haben 6,364 Kinder unterschrieben." "Ist das so?", sagte Vladimir und nahm leicht verwirrt das Papier mit den Unterschriften in die Hand, dass der Junge ihm reichte. "Wie kann das sein? Jetzt wo ich darüber nachdenke, habe ich mir nie einen deiner Auftritte angesehen.", sagte Vladimir mehr zu sich selbst, als zum Goldkettenmann. Der Goldkettenmann schaute nervös nach links und rechts. "Bei deiner Vorstellung heute Abend will ich dabei sein! Und ich hoffe für deine biologische Existenz dass ich vor Lachen von meinem Stuhl falle!"
"Danke für deine konstruktive Kritik.", sagte Vladimir überfreundlich zu dem kleinen Jungen. "Und jetzt verschwinde!". Der Junge ließ sich das nicht zweimal sagen und eilte aus dem Zelt. Plötzlich bemerkte Vladimir Jesus. "Und wer bist du?", fragte er unfreundlich. "Wenn du einer von diesen Hippies bist, die mir Tierquälerei unterstellen wollen oder mir sagen, dass unsere Musik die Anwohner stört, dann hast du dir einen ganz falschen Zeitpunkt ausgesucht, mein Freund. Clown, jetzt ist dein Auftritt!" "Er hat Betty schon kennengelernt.", sagte der Goldkettenmann. "Er will Clown werden." "Und deshalb richtest du eine Knarre auf ihn?", fragte Vladmir. "Du sagtest doch, ich soll hart sein und alles so machen, wie du damals." "Man damals war ich voll auf Drogen und das war eher so als Richtlinie gemeint. Außerdem, schau ihn dir an, wie lieb und nett und unschuldig er aussieht. Das war bei dir damals etwas Anderes." Der Goldkettenmann sah aus, als hätte man ihm gerade eine schwere Matheaufgabe gestellt.
"Entschuldige das grobe Verhalten meines Kollegen, er ist neu im Showgeschäft und muss noch eine Menge lernen.", sagte Vladimir zu Jesus, legte einen Arm um seine Schulter und sagte: "Gehen wir ein Stück." Immer noch seinen Arm um Jesus Schultern geschlungen führte Vladimir Jesus im kleinen Zelt immer wieder im Kreis herum. "Ein schöner Spaziergang, findest du nicht?", sagte Vladimir. "Ein bisschen stickig.", sagte Jesus und hustete nachdem er versehentlich eine dicke Wolke von Vladimirs Zigarrenqualm eingeatmet hatte. "Warum gehen wir nicht draußen spazieren?", fragte Jesus. "Weil es ab jetzt für dich kein Draußen mehr gibt.", antwortete Vladimir. "Dieses Zelt und die Bühne ist ab jetzt deine gesamte Welt. Kein Kontakt nach Außen für die ersten 3 Wochen. Verlassen der Zelte nur mit Genehmigung. Das Gelände darf niemals verlassen werden. Urlaub gibt es an Weihnachten für fünf Minuten, damit ihr kurz eure Familie anrufen könnt. Telefone und Laptops müssen abgegeben werden. Bezahlung der Leistung entsprechend! Dieses System wird ab heute neu eingeführt!" Vladimir schaute böse in Richtung Goldkettenmann. "Alles klar", sagte Jesus. "Fürs Erste wirst du Teilzeit arbeiten und dir den Job mit dem da teilen." Er nickte in Richtung Goldkettenmann. "Aber natürlich nicht gleichzeitig, ich zahle nicht doppelt. Deine Freizeit musst du in im Zelt bzw auf dem Gelände verbringen. Aber wir haben zahlreiche Freizeitangebote für unsere Mitarbeiter, wie zum Beispiel ein Tischkicker. Einfach 2€ einwerfen und ganze 2 Minuten spielen. Sehr beliebt bei unseren Mitarbeitern. Was haben wir noch? Einen Ball, den könnt ihr euch in den Pausen hin und her werfen. Auch der absolute Hit bei den fleißigen Kollegen hier. Der Ball kann an der Rezeption für 5€ ganze 5 Minuten ausgeliehen werden, natürlich nur gegen eine Kaution von 50€. Du weißt ja, wie schnell Dinge verschwinden können, aber dank der Kaution bringen alle immer wieder den Ball zurück. Also würden sie bestimmt, seitdem hat niemand mehr den Ball ausgeliehen."
"Willst du lieber die Mittagscht oder die Abendschicht?", fragte Vladmir Jesus. "Ich will die Mittagschicht.", sagte der Goldkettenmann, denn er hatte seine ganz eigenen Pläne, die nichts mit Comedy oder Clowns zu tun hatten. Er wollte sich bei Vladimir so weit wie möglich einschmeicheln und eventuell zum Partner gemacht werden. Oder die richtig lukrativen Aufträge von Vladimir bekommen. "Dich habe ich nicht gefragt.", sagte Vladimir kalt. "Außerdem habe ich andere Pläne mit dir." Das Herz des Goldkettenmanns fing an zu rasen. Das hier war sein großer Durchbruch, der eine Karrieresprung den sich alle Menschen erträumten. Und sie hatten ihn ausgelacht weil er Clown war. Und jetzt? Jetzt würde er Finanzchef oder Investor werden, wenn nicht sogar Banker und Mafiaboss. Vladimir würde ihm den Pokizeichef vorstellen und die ganze Matrix würde ihm detailiert erklärt werden. Nun spielte er ganz ganz oben mit! Vladmir war kein Niemand! Er kannte sogar den Hotdogverkäufer auf dem Zirkusplatz. Krasse Connetion!
Kapitel 7 - Ivan's Rückkehr
Am nächsten Morgen vor dem Eingang des Hauptzeltes: "Ich soll Maskottchen spielen?" Der Goldkettenmann trug ein Pandakostüm und hielt einen leuchtenden Pfeil mit der Beschriftung "Eingang" darauf in den Händen. "Jetzt wo Jesus sich um das Clowngeschäft kümmert, kannst du mir anderweitig zur Hand gehen." sagte Vladimir. "Ist doch praktisch. Das letzte Maskottchen hat gekündigt weil, ach, das wirst du schon selber herausfinden. Ich muss jetzt zu Jesus, er hat heute seinen ersten Auftritt und ich muss mit ihm sprechen. In dieser Sekunde kam Jesus mit einem Blatt Papier aus dem Zelt gelaufen und sagte: "Vladimir, da bist du ja. Ich habe eine Frage zu Witz Nummer 4." "Ist das da etwa Ivan?", sagte der Goldkettenmann und deutete in Richtung Parkplatz. Alle wandten sich um. Ivan und Yasmin kamen auf sie zu, doch Ivan sah überhaupt nicht mehr aus wie vor seiner Abreise in die Türkei. Er trug nicht mehr seine schwarzen Mafia Klamotten, die ihm immer einen gewissen Respekt einhauchten, ob man es sich eingestand oder nicht. Doch nun trug er ein buntes Hippie Gewandt, eine Hawai Kette und Sandalen. "Was geht ab Leute! Man habe ich euch vermisst. Das hier ist Yasmin, meine Frau. Wir haben geheiratet.", fügte er hinzu. "Das ist ja wunderschön.", sagte Vladimir. "Hast du den Vermieter schon angerufen? Den Auftrag habe ich dir schon heute morgen per WhatsApp geschickt!" Ivan musste an das Gespräch zwischen ihm und Yasmin denken und daran dass er sich gegen Vladimir durchsetzen wollte, sich nicht mehr wie Dreck behandeln lassen wollte. Ivan schaute unsicher zu Yasmin. Yasmin nickte ihm aufmunternd zu. "Nein, Boss. Ich mache das sofort heute, versprochen.", sagte Ivan und fiel vor Vladimir auf die Knie. "Du kannst mir gerne mein Lohn kürzen, als Strafe für mein Versäumniss. Darf ich deine Füße waschen und massieren?" Ivan schaute zu Yasmin, hob einen Daumen, grinste und formte mit seinen Lippen die Worte: "Mein Meister ist zufrieden mit mir!"
"Steh auf und sprich den Eid!", sagte Vladimir. "Ja Meister.", sagte Ivan und stand auf. "Vladimir ist mein Führer und weiser Berater. Er ist die Hand die mich füttert und das Dach, welches mich schützt. Er ist der Erschaffer und Lenker aller Dinge. Ihm verdanke ich mein Leben." "Muss ich das auch machen?", fragte Jesus leise den Goldkettenmann, so dass Vladimir ihn nicht hören konnte. "Erst ab der zweiten Woche, steht aber auch alles in deinem Vertrag, den du unterschrieben hast." "Ich habe keine Ausführung erhalten und gestern einfach nur unterschrieben.", sagte Jesus. "Das war meine Idee.", sagte der Goldkettenmann. Keine Ausführungen mehr für die Angestellten. Spart Druckerkosten und die Leute kommen nicht so schnell auf die Idee ihre Rechte einzufordern, weil sie diese garnicht kennen." Der Goldkettenmann lachte wahnsinnig. "Aber mach dir keinen Stress. Laut Vertrag müssen wir das Gebet jeden Morgen und abends vor dem Schlafen gehen beten, aber ich wurde nur einmal für eine gewisse Zeit dazu gezwungen das Gebet jeden Tag zu sprechen, nachdem ich im Anflug einer Geisteskrankheit Vladimirs kostbaren Elephanten dummerweise nach Afrika in die Freiheit zu seinen Artgenossen gelassen haben. Das war der größte Fehler meines Lebens. Ich habe womöglich den Zirkus und Vladimirs Lebenswerk in den Ruin getrieben." "Ich dachte die Besucherzahlen sind hoch gegangen weil der Elefant befreit wurde und dann massiv runter weil du der neue Clown warst?", fragte Jesus rein sachlich. "Nein, das lag an dem dummen Vieh!", zischte der Goldkettenmann.
Der Goldkettenmann hatte übrigens um die Mittagschicht gebeten, da die Shows dann viel weniger besucht waren als in der Abendshow und er wollte auf lange Sicht sowieso das Clownbusiness aufgeben und in der Geschäftsleitung mit einsteigen. Vladimir hatte es ihm am Ende zugesagt, zumindest das mit der Mittagschicht, nur heute sollte Jesus die Mittagsshow machen, weil es seine erste Show war und somit weniger Druck auf ihm lasten würde und Vladimir dadurch im Falle einer Katastrophe eine gewisse Schadensbegrenzung hätte. Die Abendshows waren viel zu wichtig um einen Neuen auftreten zu lassen, da durfte auf keinen Fall etwas schief gehen!
Kapitel 8 - Eine neue Identität
Sein erstes finanzielles Hoch hatte der Goldkettenmann mit Anfang 30. Ein Freund von Vladimir bezahlte den Goldkettenmann ausgesprochen gut dafür, dass dieser jeder Woche einen Koffer über die Grenze schmuggelte. Der Goldkettenmann stellte keine Fragen und redete sich ein, dass es sich um total legale Machenschaften handelte. Doch sein Erfolg sollte nicht nur von kurzer Dauer sein, sondern er wurde auch mit Blut bezahlt. Nach kurzer Zeit stellte sich bei einer Grenzkontrolle heraus, dass es sich bei den Gegenständen im Koffer um illegale perverse Pornografie handelte, die dem Goldkettenmann lebenslänglich Gefängnis einbringen sollten. Der Goldkettenmann rief seinen Anwalt an.
Es gab einen Gerichtsprozess, der sogar im Fernsehen übertragen wurde. Der Vorfall war seit Tagen das einzige Thema in den Nachrichten und der Goldkettenmann das Gespött des Landes, denn niemand glaubte ihm, dass er nicht wusste was in dem Koffer war. Im Gerichtssaal einigte man sich schlussendlich darauf, dass der Goldkettenmann jeden Cent, den er bei den Lieferungen verdient hatte, für einen guten Zweck spenden sollte. Der Goldkettenmann rieb sich die Hände. Zum Glück hatte er vor einigen Jahren einen Schein-Spendenfont für Wohltätige Zwecke gegründet um den Gutmenschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Er würde einfach den Wunsch äußern an diese Firma zu spenden und sein Geld würde wieder ihm gehören! "Das Gericht und nicht der Verurteilte entscheidet über die Verwendung des Geldes.", sagte der Richter. "Wir werden später einen gemeinnützigen Zweck wählen." "Ihr wollt das Geld doch nur für euch selber!", rief der Goldkettenmann! "Das Gericht fühlt sich hiermit offiziell beleidigt und in seiner Integrität untergraben!", sagte der Richter und schlug mit seinem Hammer auf den Tisch. Ein Mann mit Stift und Papier, der zwischen den Geschworenen herumlief tippte den Richter an und sagte, was aufgrund des Mikrofons des Richters jeder hören konnte: "Hey Udo, willst du einen Ferrari? Die Jungs nehmen alle einen Merzedes aber ich kenne dich ja. Jetzt kannst du dir noch ein Ferienhaus aussuchen. Wir dachten für jeden ein Ferienhaus ist 'ne coole Sache." "Nicht jetzt!", sagte der Richter und wedelte mit den Händen, als würde er eine Fliege verscheuchen. Dann rief er dem Mann hinterher, der gerade den Staatsanwalt antippen wollte: "Ja, äh, Ferrari. Und am besten was in Spanien. Wo waren wir? Achja, Ihr Geld wird sicher aufbewahrt, bis wir" Er räusperte sich "bis wir einen guten Zweck gefunden haben, der dem Gericht angemessen erscheint."
"Aber ich habe doch ganz klar gehört, wie Sie mit meinem Geld einen Ferrari kaufen wollen! Die Kameras haben das gefilmt!" "Herr Goldkettenmann, wollen Sie lieber lebenslang ins Gefängnis? Habe ich Sie vielleicht falsch verstanden? Falls ja, dann entschuldigen Sie meinen Fehler. Ich sage schonmal den Gefängniswärtern was Sie getan haben und dass Sie Ihnen ins Essen spucken sollen! Lebenslange Haft!", sagte der Richter und hob seinen Hammer. "Ist ja schon gut.", sagte der Goldkettenmann und schaute beleidigt aus dem Fenster.
Nach zwei Tagen entschied der Goldkettenmann eine Maske zu tragen und eine andere Identität anzunehmen, zumindest bis die Leute ihn wieder vergessen hatten. Er kaufte sich in Hollywood eine Maske und eine Perrücke, womit er wie eine alte Dame aussah.
Am Abend hatte der Goldkettenmann Lust auf ein Bier. Er verkleidete sich als die alte Dame, verließ seine Wohnung und ging in eine Kneipe. Er leerte das erste Bier in einem Zug, rülpste herzhaft und rief in seiner männlichsten Stimme zum Barkeeper: "Ey Keule, machste mir noch so Eins! Heute werde ich noch ein paar Weiber aufreißen!" Mit einem Schlag trat Stille in der gesamten Kneipe ein. Alle sahen ihn an. Der Goldkettenmann, dem plötzlich wieder einfiel, dass er eine alte Dame war, räusperte sich und sagte mit möglichst omahaften Stimme: "Ich meine, wehrter Herr Barkeeper. Du süßes Ding! Meine Schwiegertochter hätte dich heiraten sollen."
"Ihre Schwiegertochter, Mam?", fragte der Barkeeper mit einer hochgezogenen Augenbraue und gab dem Goldkettenmann sein Bier. "Ja, sie hat jemand Besseres verdient als meinen Sohn, wissen Sie? Er ist einfach nicht ehrlich. Er lügt bei allem was er sagt und er denkt immer nur ans Geld. Was habe ich nur mit ihm falsch gemacht?" Der Goldkettenmann hörte auf zu reden. Er saß da, wie versteinert. Wer hatte das gesagt? Ganz sicher nicht er. Falls doch, dann war er ein geborener Schauspieler! Es würde ein leichtes Spiel werden die Anderen an der Nase herumzuführen! "Warum sind Sie als Frau verkleidet?", fragte plötzlich ein Mann, der neben ihm am Thresen saß. "Bin ich nicht. Ich bin eine echte Frau. Mutter Theresa ist mein Zeuge. Also sie hat mich nicht gezeugt aber, ist ja auch egal." "Nein das ist eine Maske! Von der Seite sieht man das und ich arbeite beim Film." Der Goldkettenmann musste schnell denken. "Ja korrekt.", sagte er. "Ich bin transsexuell und die Maske ist meine wahre Persönlichkeit! Und ich fühle mich diskriminiert wenn du weitere Fragen stellst, die polizeilich relevant sein könnten. Und nun entschuldigt mich, ich muss", doch dem Goldkettenmann fiel nichts ein was er angeblich tun musste und verließ die Kneipe schließlich ohne den Satz zu beenden, was ihn sehr in seinem Ego kränkte. Er musste lernen schneller zu denken, schneller zu reagieren. Bis er diesen Gedanken in seinem Kopf ausformuliert hatte, waren sechs Sonnen und fünf Monde vergangen.
Am nächsten Tag, beschloss der Goldkettenmann tagsüber Bier im Supermarkt zu kaufen, und es alleine zuhause zu trinken. Oder direkt hochprozentiges. Er hatte einiges runterzuspülen. Mit drei Tüten voll klirrenden Flaschen Alkohol kam der Goldkettenmann man zuhause an. Er ließ sich aufs Sofa fallen, stöhnte und schaltete den Fernseher an. Dann öffnete er ein Bier und schaute eine Serie, ohne seine Verkleidung abzulegen. So konnte das nicht weitergehen, dachte der Goldkettenmann und öffnete das zweite Bier. Er war der Goldkettenmann! Er konnte nicht sein Leben lang als alte Dame verkleidet in seiner Wohnung hocken! Er öffnete das dritte Bier.
Der Alkohol ging aus und er entschied, erneut in eine Kneipe zu gehen! Auf dem Weg zur Kneipe (einer anderen Kneipe als am Vorabend) taumelte der Goldkettenmann stark betrunken und hatte Schwierigkeiten dabei geradeaus zu laufen. Es war bereits nach Mitternacht. Der Goldkettenmann prüfte seine Verkleidung in einem Schaufenster und betrat die Kneipe. Stimmengewirr und Rauch überkam ihn, als er die Tūr öffnete. Der Goldkettenmann setzte sich an die Bar und bestellte einen Schnaps. Diesmal gab er sich keine große Mühe, wie eine alte Dame zu reden, was seiner Verkleidung irgendwie mehr Glaubwürdigkeit verlieh.
Neben ihm am Thresen saßen zwei Männer, die sich unterhielten. Der Goldkettenmann beachtete sie zuerst nicht, bis: "Der Typ ist wahrscheinlich über die Grenze geflohen. Hat sich verpisst wie ein Feigling." "Wie schlimm war es?", fragte sein Kumpel. "Du weißt schon, was sie gefunden haben." Sein Kumpel sprach nun mit gedämpfter Stimme und rückte nãher zu seinem Kumpel. "Ich habe gehört, das Schlimmste. Solche Leute gehören verprügelt, bis sie nicht mehr laufen können, wenn du mich fragst. Und man weiß, sie sind irgendwo hier unter uns. Nehmen tagsüber ganz normal an der Gesellschaft teil und sitzen neben uns in einer Kneipe. Doch was machen die anderen Menschen, wenn sie alleine sind? Weiß man es? Würden sie dir die Wahrheit erzählen, wenn man sie danach fragt? Deswegen", sagte der erste Mann, streckte seinen Rücken und sprach nun wieder lauter: "Deswegen glaube ich diesem, wie nennt er sich, Goldesel? Kein einziges Wort. Von wegen er wusste nicht, was er da in dem Koffer geschmuggelt hat. Ich meine, sowas weiß man doch." "Goldkettenmann!", sagte der Goldkettenmann plötzlich, der gerade seinen Schnaps geleert und einen zweiten bestellt hatte. Er sagte es ohne von seinem leeren Schnapsglas aufzublicken. Die beiden Männer drehten sich verwirrt zu dem als alte Dame verkleideten Goldkettenmann um. "Wie bitte?", sagte der zweite Mann (der übrigens neben dem Goldkettenmann sitzt und neben Mann 2 sitzt Mann 1.) "Er heißt Goldkettenmann und nicht Goldesel!", raunte der Goldkettenmann. Und er ist unschuldig bis auf die Knochen! Vielleicht nicht bis auf die Knochen, aber auf jeden Fall unschuldig im Sinne der Anklage! Er dachte wahrscheinlich, er würde Molotov Cocktails transportieren um das Rathaus anzuzünden oder soetwas. Er mag nicht perfekt sein, dieser Goldkettenmann, aber was die da im Fernsehen sagen, ist einfach nicht wahr. Wisst ihr, ich kenne den Goldkettenmann persönlich. Sehr gut sogar. Und er würde niemals wissentlich etwas mit solchem Mist zu tun haben." "Das behauptet doch jeder Täter.", sagte der erste Mann. "Aber bei ihm stimmt es, verdammt nochmal!", brüllte der Goldkettenmann nun beinahe. "Er ist unschuldig! Naja, zumindest in der Sache! Bei all den krummen Dingern, die er gedreht hat in seinem Leben, besitzt er doch noch einen Funken Rückgrad!" "Wie auch immer.", sagte der erste Mann um das Gespräch zu beenden und fasste seinem Kumpel an die Schulter, damit dieser sich wieder ihm zuwandte.
Wieder zuhause in seiner Wohnung, fiel der Goldkettenmann sofort auf sein Sofa, in einen tiefen Schlaf. Es war schon Abend des nächsten Tages, als er wieder aufwachte. Sein Schädel brummte, er hatte Kopfschmerzen und sein Magen würde auch am Liebsten eine Wartenummer beim nächsten Arzt ziehen. Er wollte sich mit den Händen im Gesicht reiben und erschrak beinahe zu Tode, als er plötzlich die Maske der alten Frau in seinen Händen hielt. Eindeutig zu viel Alkohol letzte Nacht. Doch für eine Sache, war es gut gewesen! Kurz vor dem Einschlafen letzte Nacht, hatte der Goldkettenmann eine Idee gehabt, wie er sein Dilemma beenden kann. Er würde einen weiteren Skandal anzetteln müssen, auf den sich die Medien und damit auch die Bürger konzentrieren. Er musste ihnen etwas zu Fressen vorwerfen, damit sie ihn nicht fraßen. Er wusste nur noch nicht, wie er das anstellen sollte. Er könnte das Risiko eingehen und seine Rolle als alte Frau benutzen um sie als Monster hinzustellen. Wenn es klappte, würde er sich wieder frei in der Stadt bewegen können, ohne sich als alte Frau verkleiden zu müssen. Wenn es nicht klappte, dann hatte er jedoch keine Tarnung mehr. Er würde das Risiko eingehen müssen. Der Goldkettenmann wollte wieder er selbst sein.
Der Goldkettenmann hatte einen Plan geschmiedet. Er schrieb zuhause auf ein Blatt Papier mit schwarzem Edding deutlich lesbar: "FREE AFGHAN WOMEN AND GIRLS! STOP TALIBAN! STOP CHILDMARRIAGE!" Dann verkleidete er sich als die alte Dame und machte ein Foto von sich selbst mit dem Schild in der Hand. Er zog seine Verkleidung wieder aus und versteckte sie unter dem Sofa. Er setzte sich an seinen Computer und erstellte ein falsches Facebook Profil für die alte Dame, die nicht existiert, und lud das Foto als Profilbild hoch. 5 Minuten später klopfte es an der Tür. "Aufmachen! Polizei!" Unten auf den Straßen waren wütende Rufe zu hören und anhand der flackernden Lichtreflektionen, schien es, als würden Autos brennen. "Gehen Sie weg von der Tür!", hörte der Goldkettenmann den Polizisten sagen. "Wir stürmen sie ein in drei, zwei, eins". Doch der Goldkettenmann hatte bereits bei zwei die Tür geöffnet. In der Hand hielt er einen Kaffe, an dem er auch erstmal schlürfte. "Jemand einen Kaffe?", fragte er in die Runde der 10 bewaffneten Polizisten, die in seinem Hausflur drängelten wie in der U-Bahn. Ein paar von Ihnen wollten gerade sagen, dass sie gerne einen Kaffee hätten, aber der Einsatzleiter sagte laut: "Sind Sie alleine in der Wohnung?" "Ja, inzwischen wieder.", sagte der Goldkettenmann, der das Ganze hier nicht unnötig in die Länge ziehen wollte. "Was heißt inzwischen wieder?", fragte der Polizist. "Meine verrückte Tante war eben hier, verrückte Frau, sage ich Ihnen." "Ihre Tante hat in Ihrer Wohnung ein Foto von sich gemacht und es im Internet hochgeladen. Auf diesem Foto hält sie ein Schild in der Hand, mit einer politischen Hetzbotschaft gegen die afghanische Regierung. Mit ihrem Foto untergräbt sie die Souveränität einer Regierung und betreibt gezielte Hetze gegen bestimmte Menschengruppen, in diesem Fall die Taliban in Afghanistan. Das Verstößt gegen Artikel 23 Zeile 5 im Abschnitt physische Gewalt und Mobbing Zeile und gegen gegen Artikel 13 Zeile 12 betreffend Diskriminierung anderer Religionen. Ihre Tante ist hiermit auf der Fahndungsliste der internationalen Polizei, sie hat einen Haftbefehl und kann an der Grenze, beim Versuch in ein anderes Land zu flüchten, was auch immer ihr das bringen soll, von uns identifiziert und verhaftet werden. Sollte Ihre Großmutter Kontakt zu Ihnen aufnehmen, ist es Ihre Pflicht als Bürger zur Verhinderung von Terroranschlägen Abschnitt 9, dies unverzüglich der Polizei mitzuteilen. Zur Sicherheit bleiben für die nächsten paar Tage ein paar meiner Kollegen bei Ihnen und ih Ihrer Wohung, nur um sicherzustellen, dass Sie keine illegale Musik herunterladen, wir verstehen uns? Sie können sich frei bewegen, allerdings immer in Begleitung zweier Polizisten, die es mitkriegen werden, wenn sich deine Tante bei Ihnen meldet, vertrauen Sie mir!" Er grinste den Goldkettenmann selbstgefällig an.
Plötzlich ging der Fernseher an. Das tat er immer bei angeblich wichtigen Nachrichten, war so ein modernes Teil. Ein Nachrichtensprecher war zu sehen, der sagte: "Eilmeldung! Offensichtlich geistig verwirrte Frau betreibt Hetze im Internet. Sie hat nicht wenige Unterstützer mit ihrer Kampagne, was das Ganze umso gefährlicher macht, so Kritiker. Angegriffen wird die Afghanische Regierung und ihre Souveränität. Es sei "inakzeptabel, solchen Aktivisten eine Plattform wie Facebook zu Verfügung zu stellen", so ein Talibansprecher in einem BBC Interview. Diese Menschen würden nur versuchen Andere zu manipulieren und die Taliban in einem schlechten Licht darzustellen, so weiterhin der Sprecher, der während er sprach eine Frau an einer Kette zu sich heranzog und sie schlug, weil sie so lange für den Kaffe gebraucht hatte. "Heute Abend wirst du bestraft, das wird dir nie wieder passieren! Warten Sie! Das sollen Sie nicht filmen!" "Das war das Letzte, das wir von unserem Reporter wissen.", sagte der Nachrichtensprecher. "Seit diesem Interview ist er spurlos verschwunden. Hoffen wir, dass es ihm gut geht und er sich nur eine Auszeit auf Hawai gönnt. Zum Wetter." "Hey das sind meine Erdnusflipps und nehnt gefälligst die Füße vom Tisch! Ihr seid hier nicht zuhause!", sagte der Goldkettenmann zu den beiden Polizisten, die es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hatten. "Also gut Jungs, ihr habt ihn hier im Blick? Dann machen wir uns jetzt wieder auf den Weg. Bis später." Der Polizeichef und seine Kollegen, bis auf drei, verließen die Wohnung und das Gebäude. Einer der dagebliebenen Polizisten stand im Treppenhaus vor der Wohnungstür des Goldkettenmanns und zwei waren bei ihm in der Wohnung und saßen jetzt links und rechts neben ihm auf dem Sofa, während er mit der Hand in die Erdnusflippsdose griff und verärgert feststellte, das sie leer war.
Der Plan hatte funktioniert. Am nächsten Tag redete niemand mehr über den Goldkettenmann bezüglich des beschlagnahmten Koffers und Jene die es taten, glaubten plötzlich seiner Version der Geschichte und sagten zueinander nun Dinge wie: "Wir haben den armen zu Unrecht beschuldigt." "Womöglich wusste er wirklich nichts davon." "Er hat sich einfach mit den falschen Typen eingelassen." Doch wenn überhaupt. Vielmehr sprachen alle nur noch über die durchgeknallte Frau auf Facebook, die Frauenrechte in Afghanistan fordert. "Verbrennt die Hexe!", schrie der Goldkettenmann in einer vollen U-Bahn, um eine Gruppe Jugendliche anzuheizen, die gerade über den Vorfall sprachen und nicht gerade nette Dinge über die erfundene Frau sagten. "Ja man!", rief einer aus der Gruppe und hob symbolisch sein Bier in die Luft, als Zeichen des Einverständnisses. Wie sehr hatte der Goldkettenmann das vermisst. Unter Menschen zu sein, die ihn respektierten und zu ihm aufschauten, wie zu einem König. Er war wieder zurück. Die Leute hatten die Sache mit ihm endgültig vergessen. Irgendwie traurig, dachte der Goldkettenmann. Kapitel Ende.
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